Psychische Strukturbildungsprozesse in den ersten Lebensjahren

 

1. Frühe Beziehungserfahrungen und präverbale Strukturbildung – das implizite Wissen

Adler (1912 a/1997) legte den Schwerpunkt seiner entwicklungspsychologischen Überlegungen auf die frühe Kindheit: „Gegen Ende der Säuglingszeit“ hat das Kind seiner Meinung nach bereits eine „Leitlinie“ (S. 94) gefunden, haben also bereits wesentliche, den Lebensstil eines Menschen bestimmende innere Strukturbildungsprozesse stattgefunden. Ich meine, dass dieser Grundgedanke Adlers durch die modernen Forschungsergebnisse der Säuglingsforschung und Bindungstheorie eine aktuelle Bestätigung erfährt, über die man sich als Individualpsychologe freuen kann. Damit meine ich freilich nicht, dass Adler sowieso schon alles gesagt hat; vieles konnte natürlich inzwischen wesentlich differenzierter erforscht werden, als dies zu seiner Zeit und mit Hilfe des damaligen wissenschaftlichen Instrumentariums möglich war. Im Kern sind aber doch viele individualpsychologische Grundaxiome mit den Ergebnissen der Säuglings- und Bindungsforschung sehr kompatibel. Dies gilt z. B. für den Begriff der „Meinung“ (z. B. Adler 1933 b/1990; Ansbacher und Ansbacher 1982, S. 182 ff.; Titze 1995a): Die unbewusste Meinung eines Menschen über sich und andere umfasst Erwartungen, Vorstellungen, Fiktionen und Phantasien, die charakteristisch für seine subjektive, individuelle Eigenart sind. Die Säuglingsforschung bietet nun zunehmend differenziertere Erklärungsmodelle für die frühe Entstehung dieser Meinungen an, die so etwas wie ein vorsprachliches Beziehungswissen darstellen. Die zentrale, unbewusst-implizite Grundüberzeugung neurotischer Menschen nach Adler ließe sich vereinfacht in etwa so formulieren, dass in einer Beziehung zu anderen stets die Gefahr besteht, eigenen Minderwertigkeitsgefühlen zu begegnen (nach Adler die schlimmste „innere“ Gefahr). Darüber hinaus werden andere im Prinzip vor allem als „feindselige“ Individuen gesehen werden, von denen bestimmt nicht Gutes zu erwarten ist. Damit ist eine innere Szene definiert, die implizit bereits unbewusste Vorannahmen über sich selbst, über andere und über die Beziehung zwischen beiden beinhaltet; ebenso sind unbewusst-implizite Grundannahmen über begleitende Affekte, den erwarteten Verlauf der Interaktion und sein Endergebnis darin enthalten: zu erwarten sind Gefühle wie Ohnmacht, Scham, Demütigung oder auch Wut, darauf wird es hinauslaufen, und so wird man am Ende zurückbleiben. Ich habe hier zu dem Zweck vereinfacht, um wesentliche Strukturmerkmale hervorzuheben, die für die „Meinungen“ bestimmter Menschen charakteristisch sind – heute würde man von „Frühstörungen“ sprechen. Ein solcher Mensch bewegt sich nach Adler (z. B. 1933 b/1990) wie in „Feindesland“, er ist, wie Lichtenberg (1990, S. 883) schreibt, „auf die Erwartung eines Kampfes“ eingestellt. Diese innere Szene ist aber nur ein, wenn auch sehr zentrales, Beispiel für früh entstandene, unbewusste Beziehungserwartungen. Ich möchte im Folgenden kurz darstellen, wie „Meinungen“ unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Säuglingsforschung als internalisiertes Beziehungswissen verstanden werden können, die frühe Interaktionserfahrungen und die daraus abgeleiteten Erwartungen beinhalten (vgl. Lang 1999):

Beebe, Lachmann und Jaffe (1997a) beschreiben im Detail, wie präverbale Selbst- und Objektrepräsentanzen geformt werden, in denen das frühe Beziehungswissen abgebildet ist. Dies geschieht im Verlauf von Interaktionen, in denen der Säugling und die Mutter darum bemüht sind, sowohl ihre eigenen Bedürfnisse, motivationalen Bestrebungen und inneren Befindlichkeiten (states) als auch die Interaktion selbst zu regulieren: „both self-regulation and interactive-regulation processes“ (S. 135). Als Struktur verinnerlicht wird also der dynamische Prozess der Selbst- und Beziehungsregulation, d. h. wie der Säugling sich und die Dyade erlebt. Die Voraussetzungen hierzu liefern die erstaunlichen Fähigkeiten des „kompetenten Säuglings“ (Lang 1988, S.12), die inzwischen so oft und ausführlich beschrieben worden sind dass ich sie an dieser Stelle nicht wiederholen will. Ich möchte allerdings anmerken, dass es ein wenig irreführend sein kann, von der „Kompetenz“ des Säuglings zu sprechen, weil gerade durch die Ergebnisse der Säuglings- und Bindungsforschung das radikale Angewiesen- und Abhängigsein am Beginn menschlichen Lebens deutlich wird. Der Säugling kann sich letztlich nur durch einen signifikanten Anderen finden. Die mit dieser faktischen Abhängigkeitssituation verknüpfte, latente Minderwertigkeitsproblematik wird vor allem dann zum manifesten Problem, wenn die Grunderfahrung nicht „hinreichend gut“ ist, um mit Winnicott  zu sprechen (z. B. Davis und Wallbridge 1995, S. 57/58).

Nun aber wieder zurück zur Struktur des frühen Beziehungswissens: Beebe und Lachmann (Beebe, Lachmann und Jaffe 1997a, b) verstehen darunter nonverbale Repräsentationssysteme, die möglicherweise gar nicht in sprachlich-symbolische Form übersetzt werden, allerdings dennoch wie ein Magnet nachfolgende Entwicklungsprozesse um sich herum organisieren. Mich erinnert dies an Adlers (1930 a/1976 a) Überlegung, das Kind sei sowohl „Bild“ als auch „Künstler“. Adler hat damit nicht nur auf die schöpferisch-subjektive Eigenbeteiligung des Kindes, sondern auch auf den erfahrungsorganisierenden Aspekt von Leitlinien verwiesen, etwa mit seinem Begriff des „Apperzeptionsschemas“ (Titze 1995b). Die Kernaussage dieser Überlegungen findet sich in den neuen, von der Säuglingsforschung inspirierten Theorien zur frühen Strukturbildung wieder.

Der Grundgedanke lautet dabei, dass frühe Interaktionen und die mit ihnen verbundenen Regulationsprozesse unbewusste und beziehungsgestaltende Gedächtnisstrukturen hervorbringen. Individualpsychologisch formuliert enthalten sie sozusagen das präverbale Substrat des Lebensstils (vgl. Ansbacher 1995). Dieses „Unbewusste“ ist zunächst präreflektiv – Christopher Bollas (1997) nennt es das „ungedachte Bekannte“. In Anlehnung an Bion könnte man sagen, dass die „Gedanken“ noch keinen „Denker“ haben (vgl. Epstein 1996), wobei das Wort „Gedanken“ in dieser frühen Lebensphase natürlich als Metapher zu verstehen ist. Dieses „Unbewusste“ ist aber bereits insofern dynamisch, als es sowohl die Eigenbewegungen des Kindes und der Mutter als auch die Bewegung des Interaktionssystems beinhaltet, einschließlich eventueller Missverständnisse, Unerreichbarkeiten, Brüche, Mängel, unvereinbarer Tendenzen usw. Die darin enthaltene Bewegung, die Dynamik, lässt sich gut mit Adlers Überlegung verbinden, inneres Leben sei vor allem als Bewegung auf ein Ziel hin zu verstehen. Zwar geht es dabei zunächst um die Grundbewegungen der  Selbst- und Beziehungsregulation – es geht aber auch hier schon um ein bestimmtes Ziel, nämlich darum, einen möglichst stabilen Zustand zu erreichen.

Mittlerweile lassen sich einige Prinzipien früher Interaktionen beschreiben, die wiederum in inneren Strukturen abgebildet werden: Beebe und Lachmann (Lachmann und Beebe 1996; Beebe, Lachmann und Jaffe 1997 a) beschreiben die Strukturtypen „ständige Regulation“, „Unterbrechung und Wiederherstellung“ und „affektiv hochbedeutsame Momente“. Zunächst zur „ongoing regulation“, was sich in etwa mit „ständiger Regulation“ übersetzen lässt: Damit ist gemeint, dass der Säugling implizite Erwartungen darüber ausbildet, wie Interaktionen typischerweise ablaufen. Dieses für ein bestimmtes Mutter-Kind-Paar typische Muster lässt sich mit Hilfe von Video-Mikroanalysen und statistischen Untersuchungen der wechselseitigen Beeinflussung dokumentieren. Es lässt sich auch zeigen, dass die Fähigkeit von Säuglingen zur Selbst-Regulation und zur Beteiligung an einer Interaktion gegenüber verschiedenen Personen sehr unterschiedlich sein kann  - der „Erfolg“ einer Interaktion ist also ein dyadisches Phänomen. Beebe hat auf der internationalen Attachment-Tagung in München (2000) sehr anschaulich demonstriert, wie sie die affektiven Botschaften des Säuglings zunächst widerspiegelnd aufgreift. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie sich ein Baby durch dieses „matching“ mit Hilfe von Lauten und Mimik „verstanden“ fühlt und dann in einen regulierenden Dialog eintritt.

Ein weiteres strukturell bedeutsames Prinzip früher Interaktionen ist der „Unterbrechungs-Wiederherstellungsprozess“ (disruption and repair): Der Säuglingsforscher Tronick (1989) konnte nachweisen, dass Säugling und Mutter im Verlauf normaler Interaktionen in ihren Affekten zwar bei weitem nicht ständig aufeinander abgestimmt (matched) sind. Tritt jedoch ein „mismatch“ auf, d. h. ein Mangel an Abstimmung – z. B. eine lächelnde Mutter und ein neutrales Gesicht des Säuglings - , dann kehren Mutter und Säugling innerhalb weniger Sekunden zu einem besser abgestimmten Zustand zurück; Tronick nennt dies „interaktive Wiederherstellung“ (interactive repair). Normale Interaktionen oszillieren also ständig zwischen einem relativ abgestimmten Zustand und kleineren Abweichungen davon. Dabei beeindruckt vor allem die Flexibilität, mit der die schnellen Abstimmungen erfolgen. Diese Flexibilität ist Ausdruck der Qualität der Beziehung: Je besser Mutter-Kind-Paare aus einer „Mismatch“-Situation wieder herausfinden, um so wahrscheinlicher ist es, dass der Säugling im Alter von einem Jahr sicher gebunden ist.

Im Verlauf der Entwicklung der Selbst- und Objektrepräsentanzen repräsentiert der Säugling Erwartungen über die Möglichkeit solcher „Wiederherstellungen“. Ein ständiges Misslingen interaktiver Wiederherstellungsprozesse wirft ihn auf seine eigenen, begrenzten selbstregulatorischen Möglichkeiten ohne Unterstützung durch wechselseitige Regulationsprozesse zurück. Nach Auffassung von Tronick ist dies eine wesentliche Ursache für pathologische Entwicklungen im ersten Lebensjahr.

Das Entscheidende ist, dass das Baby Erwartungen darüber ausbildet („repräsentiert“), ob und in welchem Umfang solche Wiederherstellungen und interaktiven „Mikroheilungen“ möglich sind.

Das Strukturprinzip „Unterbrechung und Wiederherstellung“ organisiert dabei Erwartungen, die mit Themen wie Bewältigung, etwas bewirken können und „erreicht“ werden (efficacy), Stabilisierung (re-righting) und Hoffnung zu tun haben. Es entsteht die Überzeugung, dass eine grundsätzliche gegenseitige Bezogenheit auch bei Belastungen und einem „voneinander Abweichen“ bewahrt werden kann – zumindest im gesunden Fall. Bei „Frühstörungen“ sieht dies nach Lichtenberg (1990) anders aus: Ein „ich möchte“ beinhaltet dann schon die Erwartung: „Du wirst es mir bestimmt nicht geben“. Es schwingt also bereits die Erwartung einer Mangelerfahrung und eines Kampfes mit, wie sie nach Adler für die „Feindesland“-Perspektive eines frühgestörten Menschen charakteristisch ist.

Mit ihrem dritten Prinzip, den „affektiv hochbedeutsamen Momenten“, greifen Lachmann und Beebe (1996) auf Überlegungen von Fred Pine (1981) zurück, einem Kollegen von Margaret S. Mahler. Gemeint sind damit strukturell organisierende Interaktionen, in deren Verlauf der Säugling eine starke Veränderung seines inneren Zustands erlebt. Dies kann positiv oder negativ sein. Positive Beispiele sind etwa die Beruhigung eines erschrockenen, schreienden Säuglings; die Veränderung eines quälenden Hungerschmerzes durch das Stillen hin zu einem angenehm entspannten Zustand (vgl. Stern 1991, S. 38 ff.); Trost und Hilfe bei körperlichen Schmerzen, z. B. Bauchweh; Beruhigung und verfügbar bleiben bei ohnmächtiger Wut des Kindes usw.

Die Überlegungen von Beebe und Lachmann decken sich weitgehend mit denen anderer Säuglingsforscher. Stern beschrieb 1985 in seinem bahnbrechenden Buch über die interpersonelle Welt des Säuglings – im Deutschen etwas unglücklich mit „Lebenserfahrung“ übersetzt – die Entstehung von Interaktionsrepräsentanzen als wichtigen Bestandteil des Kernselbst im ersten Lebensjahr. Auch damit sind innere Erwartungen und Strukturen gemeint, die sich auf der Grundlage tagtäglicher, oftmals wiederholter und spezifischer Interaktionen herausbilden. Diese Repräsentanzen kann man sich als verallgemeinerte Erinnerungen vorstellen, die bereits sehr individuelle, präverbale Erwartungen darüber beinhalten, was von Augenblick zu Augenblick geschieht, also wie es z. B. abläuft und wie man sich dabei fühlt, wenn man von der Mutter gefüttert wird oder mit dem Vater ein wildes Spiel spielt. Diese frühen Erwartungen beeinflussen dann bereits den Ablauf und das Erleben der jeweils aktuellen, tatsächlichen Interaktion (Lang 1994). Die Interaktionserwartungen weisen also bereits Merkmale einer abstrakten, prototypischen Repräsentanz auf. Sie beziehen sich auf den „wahrscheinlichen“ Gang der Dinge. Das in ihnen enthaltene „Ereigniswissen“ dient dazu, im Jetzt ablaufende Interaktionsepisoden zu „deuten“, d. h. die gegenwärtige Erfahrung wird mit der gespeicherten Fassung „verglichen“ und von ihr emotional eingefärbt. Mich erinnert auch dies an Adlers Formulierung, das Kind sei sowohl „Bild“ wie „Künstler“.

Stern hat seine Überlegungen weiter ausdifferenziert. Mit dem Begriff des „impliziten Beziehungswissens“ (Stern et al. 1998) versucht er, unbewusste Erwartungen darüber, was passiert, wenn zwei Menschen zueinander in Beziehung treten, möglichst genau zu erfassen. Dieses „implizite Wissen“ bezeichnet er (1997, 1998) als „Schema des Zusammenseins“ und als „protonarrative Hülle“, d. h. sie ist präverbal und kann vom Säugling natürlich nicht reflektiert werden, bestimmt jedoch als „innere Szene“ wesentlich sein Erleben.

Die „Process of Change Study Group“ in Boston, zu der Psychoanalytiker und Säuglingsforscher wie Stern, Tronick, Sander und Lyons-Ruth gehören, hat ein ähnliches Modell strukturell bedeutsamer Beziehungserfahrungen entwickelt wie Beebe und Lachmann (Stern et al.1998). Am wichtigsten ist für Stern, ob immer wieder zuverlässig intersubjektive Momente entstehen können, die er „moments of meeting“ nennt. Dabei geht es im wesentlichen um ein nonverbales verstanden Werden und um ein „Wissen“ darum, dass man verstanden worden ist. Das zentrale Prinzip lautet in etwa: „ich weiß, dass Du weißt, was ich fühle oder möchte“ (Stern 2001), d. h. eine Grundüberzeugung, dass innere Vorgänge von anderen Menschen verstanden, aufgegriffen und beantwortet werden können. Von der Säuglingsforschung verwendete Begriffe wie „Effektanz“ und „Kontingenz“ versuchen, dieses „Erreichen“ des anderen zu erfassen. Stern (1985) hat ausführlich den hierfür besonders wichtigen Prozess der „Affektabstimmung“ beschrieben, in dessen Verlauf die Mutter den affektiven Ausdrucksgehalt des Verhaltens, der Mimik oder Lautäußerungen ihres Kindes aufgreift und auf einer anderen Verheltensebene wiedergibt.

Lichtenberg (1981) hebt ebenfalls die zentrale Bedeutung intersubjektiver Prozesse hervor. Er beschreibt den „Zeichen-Signal-Modus“ und meint damit den gegen Ende des ersten Lebensjahres gut funktionierenden Austausch von Zeichen und Signalen zwischen Mutter und Säugling – das Baby „weiß“ also, dass die Mutter seine Signale „lesen“ kann und dass wiederum die Signale der Mutter eine wichtige Orientierung für seine eigenen Affekte sind. Das „visual cliff“-Experiment des Spitz-Schülers Emde (1981),  in dem Säuglinge über eine Glasplatte, die einen optischen Abgrund vortäuscht, zu ihrer Mutter krabbeln sollen, verdeutlicht dies: Lächelten die Mütter ihren Kindern aufmunternd zu, konnten sie ihre Unsicherheit überwinden und zur Mutter krabbeln. Prototypische Szenen dieser Art zwischen Mutter und Kind sind wohl auch eine entwicklungspsychologische Veranschaulichung des individualpsychologischen Prinzips der „Ermutigung“.

Typisch für den „Zeichen-Signal-Modus“ ist die verlässliche, steuernde Affektregulation des Säuglings durch die Mutter, an der er sich sicher orientieren kann und von der er sich sozusagen „verstanden“ fühlt.

Geht es in den bisher beschriebenen Modellen zur frühen Strukturbildung vor allem um frühe Beziehungserfahrungen, so hat Lichtenberg (1989) darüber hinaus eine umfassende, moderne psychoanalytische Motivationstheorie entwickelt, die sich auf die Ergebnisse der Säuglingsforschung stützt; er beschreibt fünf Motivationssysteme:

-          das Bedürfnis nach psychischer Unterstützung bei der Regulation körperlicher Bedürfnisse;

-          das Bedürfnis nach körperlich-sinnlicher und (später) sexueller Stimulation;

-          das Bedürfnis nach Bindung und (später) Zugehörigkeit;

-          das Bedürfnis nach Exploration (z. B. Neugier) und Selbstbehauptung;

-          das Bedürfnis, auf aversive Situationen mit Rückzug oder Antagonismus zu reagieren.

Auch hier lassen sich individualpsychologische Überlegungen anknüpfen; so meint Eife (2001), dass die „fundamentale Motivation zu leben, sich des Lebens zu bemächtigen“ (S. 42) als  Ausdruck der schöpferischen Kraft die fünf Motivationssysteme machtvoll durchdringt und ihnen sozusagen „vorgeschaltet“ ist.

Ich möchte an Lichtenbergs Modell vor allem hervorheben, dass es strukturell bedeutsame Motivationen beschreibt, deren Entwicklungsschicksal den spezifischen Lebensstil eines Menschen, d. h. seine Persönlichkeit und seine individuelle, besondere Art des „in der Welt Seins“ charakterisieren. Dabei geht es einerseits nicht nur um Bindungsbedürfnisse. Andererseits ist die Entwicklung der Motivationssysteme aber vor allem in den Kontext des frühen Beziehungserlebens eingebunden - der Säugling entwickelt sich natürlich nicht für sich alleine, sondern in Beziehungen.

 

2. Bindungstheoretische Überlegungen zur frühen Strukturbildung: die Entwicklung äußerer und innerer Sicherheit in Beziehungen

2.1 Bindungstheorie und Individualpsychologie

Auch die modernen, für die Psychoanalyse zunehmend relevanten Forschungsergebnisse der Bindungstheorie lassen sich gut mit individualpsychologischen Überlegungen verbinden. Die Bindungstheorie betont ebenfalls die primäre soziale Bezogenheit des Kindes und dessen Entwicklungsschicksal, wie sie etwa im Begriff des „Gemeinschaftsgefühls“ (z. B. Ansbacher und Ansbacher 1982, S. 134 ff.) enthalten ist; das „Zärtlichkeitsbedürfnis“ (Adler 1908 d/ 1973 c) des Kindes benötigt die „Feinfühligkeit“ seiner Bezugspersonen, so ein wichtiger Terminus der Bindungstheorie. Bereits gegen Ende des ersten Lebensjahres lässt sich die Bindungssicherheit eine Kindes ermitteln; weitreichende Konsequenzen für die weitere soziale und psychische Entwicklung bis hinein ins Erwachsenenalter sind differenziert belegbar (z. B. Spangler und Zimmermann 1995). Inzwischen ist der Repräsentanzencharakter des inneren Bindungsschemas also deutlich geworden. Es sei noch einmal an Adlers (1912 a/ 1997, S. 94) Überzeugung erinnert, bereits gegen Ende der Säuglingszeit hätten sich „psychische Gesten und Bereitschaften“ gebildet, das Kind habe eine „Leitlinie“ gefunden, um sich in der Welt und in seiner Beziehung zu ihr zu orientieren. Aus Sicht der Bindungstheorie wäre diese „Leitlinie“ im wesentlichen mit dem „inneren Arbeitsmodell“ (internal working model of attachment) verbunden, d. h. den inneren Strukturen, unbewusst-impliziten Überzeugungen und manifesten Strategien, die ein Kind in Bezug auf seine Bindungsbedürfnisse und seine Beziehungserfahrungen entwickelt hat.

Darüber hinaus lässt sich das für die Bindungstheorie zentrale Konzept der „Sicherheit“ durchaus als Gegenpol des „Minderwertigkeitsgefühls“ begreifen; dies schwingt auch in dem von Adler für die Bezeichnung von Abwehrprozessen verwendeten Begriff der „Sicherung“ mit: Jedes Kind entwickelt eine Bindung an ein Objekt, und die damit verbundenen Verhaltensweisen und inneren Strukturen dienen dazu, ein Höchstmaß an Sicherheit anzustreben.

Ähnlich wie für die Individualpsychologie ist jedenfalls auch für die Bindungstheorie Bowlbys (1969, 1973) und ihre Weiterentwicklungen Sicherheit ein entscheidender Faktor für die psychische Entwicklung (vgl. Lang 1999).

Um die Bindungssicherheit eines Kindes zu ermitteln, wurde eine diagnostische Szene entwickelt. Dabei geht es vor allem darum, wie das Kind auf eine kurze Trennung von der Mutter in Anwesenheit einer fremden Person sowie auf deren Rückkehr reagiert. Etwa zwei Drittel der Kinder reagieren sicher gebunden, d. h. sie vermissen ihre Mutter beim Weggehen, begrüßen sie aktiv bei ihrer Wiederkehr und spielen dann weiter (z. B. Köhler 1998, Brisch 1999). Anders bei einer unsicheren Bindung:

-          Vermeidende Kinder ignorieren das Weggehen der Mutter, bei ihrer Wiederkehr wird sie Mutter gemieden (äußerlich wirken diese Kinder nicht beunruhigt, aber innerlich stehen sie unter erheblichem Stress – so lässt sich bei ihnen etwa eine erhöhte Cortisol-Konzentration im Speichel nachweisen);

-          Ambivalent bebundene Kinder wirken, als ob sie von negativen Affekten überwältigt werden. Durch die Trennung werden sie stark beeinträchtigt, sie klammern und wollen von der Mutter nach ihrer Wiederkehr getröstet werden, andererseits aber auch von ihr weg;

-          Bei desorganisierten Mustern finden sich schon in Anwesenheit der Mutter Einsprengsel bizarrer Verhaltensweisen; durch die Trennung werden die Kinder dann desorganisiert.

Inzwischen sind auch die transgenerationalen Zusammenhänge dieser Muster gut erforscht. Mary Main und andere (z. B. Main, Kaplan und Cassidy 1985) entwickelten ein Interview, um den Bindungsstatus von Erwachsenen zu ermitteln (das „Adult Attachment Interview“). Es ergaben sich Kategorien, die den eben skizzierten entsprechen sowie ein generationenübergreifender Zusammenhang. So fanden sich etwa deutliche Übereinstimmungen zwischen den vor der Geburt eines Kindes erhobenen Bindungsmodi der Mutter, ihrem späteren Verhalten gegenüber ihrem Kind und dem Bindungsmuster ihres Kindes im Alter von einem Jahr.

Zusammenfassend bleibt die strukturelle Bedeutung früher Beziehungserfahrungen im ersten Lebensjahr zu betonen, wie sie sich in den unterschiedlichen Bindungsmustern zeigt. Dies hat wohl auch zu der zunehmend interessierten Rezeption der Bindungstheorie in der Psychoanalyse nach deren Exodus in die akademische Entwicklungspsychologie geführt.

2.2 Transgenerationale Weitergabe von Desorganisation

Ich möchte im folgenden besonders auf desorganisierte Bindungen eingehen, die mit unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen bzw. Vorstellungen von Eltern einhergehen. Dabei geht es um dissoziierte, ängstliche und bedrohliche Verhaltensweisen der Eltern, in diesen Fällen jedoch nicht um Vernachlässigung oder gar Misshandlung (natürlich gibt es auch eine transgenerationale Weitergabe von Gewalt; u. a. die Arbeiten von Peter Fonagy, auf die ich im letzten Abschnitt dieser Arbeit kurz eingehen werde, verdeutlichen die schwerwiegenden Folgen von Vernachlässigung und Misshandlung). In der Kindheit, aber auch im Erwachsenenalter erlittene Verlusterfahrungen und Traumatisierungen hinterlassen nicht nur bei der unmittelbar betroffenen Generation Spuren, sondern auch bei der nächsten, sofern sie nicht verarbeitet werden konnten.

Hesse und Main (1999) heben hervor, dass ihre Untersuchungen „für diejenigen besonders interessant sein könnten, die mit Menschen arbeiten, die (a) in klinischem Ausmaß an Störungen leiden, aber (b) nichtsdestoweniger keine klare Geschichte einer emotionalen oder körperlichen Misshandlung, noch irgendwelche anderen nennenswerten traumatischen Erfahrungen aufweisen ... In einigen dieser Fälle stellt die Störung der Patienten möglicherweise einen „second-generation“-Effekt eigener unbewältigter ängstigender Erfahrungen ihrer Eltern dar“ (S. 484/485, e. Ü.). Ängstliches und dissoziiertes Elternverhalten bringt den Säugling nämlich in ein ähnlich unlösbares Dilemma wie offen bedrohliches Verhalten, da die Person, auf die sich sein Bindungsverhalten richtet, auch gleichzeitig die Angstquelle ist. Aus individualpsychologischer Sicht wäre die Wurzel eines strukturbestimmenden Minderwertigkeitsgefühls in dem damit verbundenen Erleben von Aussichtslosigkeit, Angst und Ohnmacht zu sehen.

Im Erwachsenen-Bindungsinterview zeigt sich elterliche Desorganisation dadurch, dass während des Gesprächs über Verlust- oder Misshandlungsthemen plötzlich auffällige logische oder inhaltliche Fehler auftreten. Z. B. spricht jemand so, als sei eine tote Person noch am Leben, oder als ob sie sie durch einen kindlichen Gedanken getötet hätte. Manche der Interviewten verfallen in ein längeres Schweigen, verwenden eine merkwürdig unangemessene Sprache oder schildern unwesentliche Details.

Hesse und Main (1999) beschreiben verschiedene elterliche Verhaltensweisen, die auf den Säugling unmittelbar ängstigend wirken. Beispiele für dissoziative Verhaltensweisen sind z. B., wenn die Mutter plötzlich mit einer merkwürdig tonlosen Stimme spricht, die sich deutlich von ihrer normalen Stimme unterscheidet und sich beinahe wie das Eindringen der Stimme eines zweiten Sprechers anhört; oder wenn ihre Bewegungen „einfrieren“, wobei ihre Augen halb geschlossen sind, oder wenn sie plötzlich für kurze Zeit ins Leere zu starren scheint, während sich ihr Säugling vor ihr bewegt  und  vokalisiert. All diese dissoziativen Phänomene lösen beim Säugling vermutlich Angst aus, aber es gibt für ihn keinen sicheren Ort – „nowhere to go“ -, da die Mutter offensichtlich nicht mehr „da“ ist. Es entsteht ein Zustand der Angst ohne Lösung.

Andere Kategorien dissoziierten Verhaltens betreffen bedrohliche Elternverhaltensweisen. Videoaufnahmen dokumentieren beinahe unglaublich wirkende, kurze Sequenzen archaischer Verhaltensweisen wie z. B. ein Anknurren des Kindes, das wie eine Drohgeste wirkende Entblößen der Zähne oder krallenartige Bewegungen. Main und Hesse vermuten, dass plötzlich einfliesende, vorüberziehende Affekte, die ängstigenden und teilweise dissoziierten Erinnerungen entstammen und durch den Umgang mit dem Kind assoziativ aktiviert wurden, zum plötzlichen Auftreten und ebenso plötzlichen Verschwinden dieser Verhaltensweisen führen.

Weitere Beispiele betreffen ängstliche Elternverhaltensweisen: Die Mutter eines desorganisierten Säuglings zuckte mit einer Angstgrimasse und weit geöffneten Augen zurück, als ihr Kind ihr Gesicht ruhig und exploratorisch berühren wollte. Ein anderes Beispiel: Ein Elternteil, von dem ein Angehöriger durch Ertrinken umgekommen war, holte plötzlich hastig Atem und packte sein Kind fester, während Freunde von einer Reise ans Meer berichteten.

Wenn der Säugling diese Signale wahrnimmt, zeigen sie ihm eine heraufziehende Gefahr an, deren Quelle er nicht erkennen oder verstehen kann, oder sie signalisieren ihm wie im ersten Beispiel, dass er selbst die Quelle der elterlichen Angst ist.

Vom Säugling aus betrachtet erlebt er ein unlösbares Dilemma: Erstens lösen seine Versuche, Nähe zur Bindungsperson herzustellen, paradoxerweise elterliche Tendenzen aus, die Distanz zu vergrößern; die sich zurückziehende Mutter wirkt oft auch noch alarmiert. Zweitens kann der Säugling einer Bedrohung nicht entkommen, die scheinbar in ihm selbst liegt; er muss praktisch sozusagen vor sich selbst fliehen. Die Autoren sehen hierin einen vorbereitenden Hintergrund für Spaltungs- oder dissoziative Prozesse als Reaktion auf belastende Ereignisse in späteren Lebensabschnitten.

Ich habe diese dissoziiert-desorganisierten Verhaltensweisen deshalb so ausführlich geschildert, weil es sich bei ihnen jeweils nur um kurze Sequenzen im Verhalten sonst „normal und gesund“ wirkender Eltern handeln kann. Sie stehen jedoch mit kindlicher Desorganisation in Zusammenhang, mit der wiederum eine strukturelle, innere Instabilität einhergeht, wie sie für Menschen mit Frühstörungsanteilen typisch ist.

Ein Beispiel für die der elterlichen Desorganisation entsprechende Desorganisation des Säuglings sind Verhaltensweisen, die Bindungsforscher als „Freezing“ oder „Stilling“ bezeichnen, also ein regelrechtes Einfrieren aller Bewegung, oder auch verlangsamte Bewegungen und Gesten. So kann sich ein Säugling etwa sehr langsam auf die Mutter zu bewegen, so, als würde er sich unter Wasser oder gegen einen physischen Widerstand bewegen. Ein anderes Beispiel: Ein Säugling „fror“ sozusagen alle Bewegungen für etwa 20 Sekunden ein und streckt dabei die Hände in die Luft. Ich möchte jetzt vor allem dazu kommen, welche strukturelle Bedeutung diesen desorganisierten Konstellationen zukommt.

2.3 Desorganisation und Strukturbildung

Liotti (1999) führt aus, wie dissoziiertes, ängstliches und ängstigendes Elternverhalten die Entwicklung der Selbstrepräsentanz des Kindes beeinflusst: Es entstehen im wesentlichen drei Konstellationen, nämlich Opfer, Täter oder Retter. Wird die Bezugsperson als ängstigend, d. h. als Ursache eigener Angstgefühle erlebt, konstruiert sich das Selbst möglicherweise als hilfloses Opfer eines solchen „Monsters“. Bei ängstlichem Elternverhalten könnte eine andere plausible Bedeutungszuschreibung so aussehen: Da das Kind ja die ängstliche Haltung der Bindungsperson wahrnimmt, kann es sein, dass es sich als Ursache dieser Angst  erlebt. Das Selbst wird dann möglicherweise als grundsätzlich schlecht und ängstigend repräsentiert, und die Bezugsperson als hilfloses Opfer des Kindes. Falls sich die Mutter oder der Vater jedoch im Verlauf der Eltern-Kind-Interaktion durch den liebevollen Umgang mit dem Kind wieder beruhigt und von schmerzlichen Erinnerungsspuren an Traumata oder Verluste abgelenkt wird, dann kann es sein, dass das Kind das Selbst als omnipotenten Retter einer fragilen Elternfigur gestaltet. Gleichzeitig fühlt sich das Kind, das jetzt mit einer zugewandten Elternfigur zusammen ist, beruhigt und entlastet. Es erlebt sich möglicherweise als liebevollen Retter.

Das resultierende „dramatische Dreieck“ (Karpman 1968) mit seinen Angelpunkten Retter,  Verfolger und Opfer kann nach Liotti zu einem raschen Wechsel in den Repräsentanzen von sich und anderen führen. Die „guten“ Aspekte der Selbstrepräsentanz sind dabei vom Bedürfnis eingefärbt, der Rolle des wirkmächtigen Retters einer fragilen Bezugsperson gerecht zu werden. Dies bringt einerseits die latente Angst mit sich, einer solch enormen Anforderung nicht gerecht zu werden, beinhaltet darüber hinaus aber auch ein offensichtliches Paradoxon: stark sein zu müssen, um sich von einer fragilen Person geschützt fühlen zu können.

Die „negativen“ Seiten der Selbstrepräsentanz sind noch einmal in die entgegengesetzten Repräsentanzen des „Verfolgers“ (also mächtig und böse) und des „Opfers“ (also inkompetent, bedroht, hilflos) gespalten. Diese gleichzeitigen oder rasch wechselnden „Meinungen“ von sich und anderen überfordern die Fähigkeit des Kindes zu synthetisierendenden, sinn- und bedeutungsstiftenden Zuschreibungen bei weitem. Die Interaktionsrepräsentanz, das „Schema des Zusammenseins“ („representation of self-with-others“) und das mit ihr verbundene „implizite Wissen“ ist vielmehr zutiefst fragmentiert und dissoziiert. Liotti (1999, S. 765, 772 und 776) meint, dass Borderline- und andere Frühstörungen intensive und rasche Wechsel zwischen diesen intrapsychischen Konstellationen zeigen, die vor allem dann ausgelöst werden, wenn spätere Belastungen hinzukommen, etwa neue Traumata und Verluste, neue, problembeladene Beziehungen oder andere belastende Lebensereignisse.

Ich finde es beeindruckend, wie kompatibel die Überlegungen Liottis mit Adlers Auffassung sind, das Kind sei sowohl „Bild“ als „Künstler“ – die Betonung der konstruierenden kindlichen Subjektivität ist ja eine wichtige Differenzierung, will man nicht in mechanistische Konditionierungsmodelle zurückfallen, sondern die intrapsychische Dynamik in den Mittelpunkt stellen: Einerseits geht die Bindungstheorie davon aus, dass dramatische, dissoziiert-fragmentierte Repräsentanzen einer desorganisierten Bindung auf einem realen, d. h. tatsächlichen Einfluss beruhen, also z. B. auf dissoziiertem, ängstlichem und ängstigendem Elternverhalten. Andererseits wird aber ebenso davon ausgegangen, dass die resultierenden intrapsychischen Konstruktionen ganz wesentlich von der begrenzten Fähigkeit des Säuglings oder Kleinkinds, interpersonalen Ereignissen Bedeutung zuzuschreiben, beeinflusst werden: Säuglinge besitzen noch keine „theory of mind“ (Leslie 1987; Whiten 1991), d. h. keine Fähigkeit zur Reflektion innerpsychischer Vorgänge, die ein Verstehen des Gesamtzusammenhangs und damit eine schützende Distanzierung ermöglicht. Sie können ihrer Mutter zum Beispiel keinen „inneren Zustand“ (state of mind) zuordnen, der mit deren ängstlichem Verhalten verbunden ist, das bei ihnen ebenfalls Angst auslöst: „Es ist dieser Mangel im Verstehen der Haltung der Bezugsperson, der den Fragmentierungsprozess in Gang setzt, in dessen Verlauf die Bezugsperson (und spiegelbildlich das Selbst) gleichzeitig als Retter, Verfolger und als Opfer repräsentiert werden“ (Liotti 1999, S. 766, e. Ü.). Es geht also vor allem um die Entstehung von inneren Modellen, individualpsychologisch gedacht um „Meinungen“ und „Fiktionen“, und  nicht um eine objektive Realität, und der Prozess der Entstehung dieser Bedeutungen wird sowohl von tatsächlichen Ereignissen als auch von den begrenzten mentalen Fähigkeiten des Kindes beeinflusst. Liottis Argumentation zeigt

übrigens auch, wie missverständlich die Auffassung vom „kompetenten Säugling“ sein kann.

2.4 Entwicklung der Selbst- und Objektrepräsentanzen aus bindungstheoretischer Sicht

Ich komme jetzt abschließend zu den Überlegungen von Peter Fonagy, der bindungstheoretische sowie kognitiv-entwicklungspsychologische Konzepte mit objektbeziehungstheoretischen Überlegungen verbindet (Fonagy sieht sich selbst am ehesten als Ich-Psychologen und Kleinianer, während Lachmann, Beebe und Lichtenberg einen selbstpsychologischen „Hintergrund“ haben). Dabei interessiert er sich vor allem für den Prozess der Mentalisierung, d. h. der Entwicklung der Reflektionsfähigkeit. Individualpsychologisch gedacht geht es dabei um die Entwicklung fiktiver Meinungen und Leitlinien unter dem Einfluss früher Beziehungserfahrungen, die dann selbst wieder die eigene Beziehungsfähigkeit prägen, wie sie im Begriff des „Gemeinschaftsgefühls“ enthalten ist.

Wie andere psychoanalytische Theorien geht auch Fonagys Ansatz  davon aus, das Selbst entwickle sich dadurch, indem sich das Kind als fühlendes und  mit inneren Vorgängen – etwa Motivationen, Wünschen und Annahmen – ausgestattetes Wesen in der Psyche („mind“) seiner Bezugsperson „findet“ (Fonagy und Target 1998). Fonagy geht es dabei um die Entwicklung einer Repräsentationsform, in der das Selbst nicht wie ein „Ding“, d. h. wie ein physisches Objekt, sondern als intentionales, auf Ziele ausgerichtetes Wesen mit einer verstehbaren, zugänglichen Innenwelt abgebildet ist.

Vom Säugling wird das Bild internalisiert, dass die Mutter von ihm hat; dies entspricht nach Fonagy den Prozessen, die Bion (1962) als „containment of mental states“ und Winnicott (1967) als „giving back to the baby the baby`s own self“ (S. 33) beschrieben haben. „Containment“ spiegelt den inneren Zustand des Säuglings wieder und repräsentiert ihn dabei als handhabbar, d. h. als etwas, das ausgehalten  und verstanden werden kann.: „Die Wahrnehmung des Selbst in der Psyche (mind) des anderen wird zur Repräsentanz kindlichen Erlebens“ (Fonagy und Target 1998, S. 94, e. Ü.). Und: „Die Bemühungen der Eltern, dem Verhalten des Säuglings eine Bedeutung zuzuschreiben, übermitteln ihm die Botschaft, dass innere Zustände (mental states) dem Verhalten zugrunde liegen und dass die effektivste Strategie, sich auf die soziale Umwelt zu beziehen und mit ihr umzugehen darin besteht, diese Bedeutung herauszufinden. Das Selbsterleben des Kindes als intentionales Wesen hängt davon ab, ob es diese Intention klar in der psychischen Haltung (mind) der Eltern wahrnehmen kann“ (S. 102,  e. Ü.).

Zum Beispiel ist Angst für den Säugling, wie andere Gefühle auch, zunächst eine verwirrende Mischung aus physiologischen Veränderungen, inneren Zuständen und Verhaltensweisen. Wenn die Muter die Angst des Säuglings immer wieder auf eine Weise spiegelt, die deutlich als ein Erkennen des kindlichen Affekts markiert ist und ein Hilfsangebot beinhaltet, dann organisiert dessen Wahrnehmung dieses Vorgangs nach und nach das Erleben des Kindes, und es „weiß“ jetzt, was es fühlt und wie es damit umgehen kann. Internalisiert wird also die mütterliche Repräsentanz des Affekts.

Ist dieses „Spiegeln“ ein zu genaues Abbild, ist es also nicht als ein „Verstehen“ des kindlichen Affekts markiert, dann kann es selbst wieder Angst auslösen und verliert dadurch sein symbolisches Potential. Ein Beispiel wäre eine Bezugsperson, die etwa auf die Angst oder Wut ihres Kindes ständig mit eigenen Angst- oder Wutreaktionen antwortet. Etwas Inneres wäre damit zu etwas bedrohlichem Äußerem geworden. Fonagy (2001) sieht hier den möglichen Hintergrund für die Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation. Ein „falsches Selbst“ im Sinne von Winnicott (1960) entwickelt sich im Gegensatz dazu seiner Meinung nach dann, wenn die spiegelnden Reaktionen zwar deutlich als ein „Verstehen“ der kindlichen Affekte markiert sind, obwohl in Wirklichkeit keine Kongruenz vorliegt. Ein Beispiel wäre etwa die projektive Umdeutung und Pseudospiegelung körperlich-zärtlicher Nähebedürfnisse des Kindes als Aggression.

Fehlt das Spiegeln häufig, erfolgt es nur zögerlich oder ist es von eigenen inneren Verstrickungen der Mutter überschattet, wird der Prozess der Selbstentwicklung deutlich beeinträchtigt. Fonagy meint z. B., dass Menschen, für die unterschiedliche Erscheinungsformen von Angst sofort Katastrophen wie etwa einen drohenden Herzstillstand oder unmittelbare Todesgefahr bedeuten, defizitäre Meta-Repräsentanzen ihrer primären Affektreaktionen entwickelt haben. Ineffektiv ist dabei das „containing“ der erlebten Intensität durch Symbolisierung, möglicherweise weil die ursprüngliche Spiegelreaktion der primären Bezugsperson die Affekte des Säuglings noch mehr verstärkte.

Ein konkretes Beispiel kann vielleicht besser verdeutlichen, was Fonagy mit einem aufgreifend-helfenden Umgang meint: Wenn ein acht Monate alter Säugling eine Spritze bekommen hat, dann Verhalten sich diejenigen Mütter, die ihre Kinder am besten beruhigen können so, indem sie den Affekt des Kindes prompt aufgreifen, aber dieses „Spiegeln“ ist durchsetzt von Affektsignalen, die mit dem momentanen Gefühl des Kindes inkompatibel sind. Darin drückt sich nach Fonagy (Fonagy und Target 1998, S. 94) Metabolisierung, Containment und Bewältigung aus. Indem die Mutter diese komplexen Affektsignale senden, ermöglicht sie es, dass der Säugling ihre Reaktion als zwar analog, aber als nicht völlig übereinstimmend mit seinem eigenen Erleben erkennt – dies steht am Anfang des Symbolisierungsprozesses. An dieser Stelle kommt die Bindungstheorie ins Spiel, da nach Fonagy die Sicherheit der Bindung der entscheidende Faktor dieser Abläufe ist. Bei einer sicheren Bindung werden die Signale des Säuglings angemessen von der Mutter gelesen, ihre Reaktion auf sie verleiht ihnen eine adäquate Bedeutung: „Normale Affektregulation entsteht aus der Erwartung, dass das Gleichgewicht nach einer Beunruhigung bzw. Erregung wiederhergestellt werden kann“ (S. 95, e. Ü.). Dabei verbinden sich die Signale des Säuglings und die spiegelnd-bewältigenden Reaktionen der Mutter zu einer umfassenden Repräsentanz belastenden Erlenens; dies ist entscheidend für die Entwicklung der Fähigkeit, Affekte selbst zu regulieren. Fonagy sieht hier den Grundbaustein einer Verstehen, Regulation und schützende Distanz ermöglichenden Reflektionsfähigkeit, die er als Metakognition bezeichnet.

Coates (1998, S. 119) gibt ein Beispiel für die mit der Fähigkeit zur Metakognition verbundenen unterschiedlichen Erlebnisweisen: Es ist ein Unterschied, ob sich ein Kind von einer bestimmten Nahrung, etwa Spinat, ganz und gar abgestoßen fühlt, oder ob es erkennen kann, dass seine besondere Abneigung dagegen etwas Persönliches und Individuelles ist. Im Falle des „ganz und gar Abgestoßen Seins“ ist keine Wahrnehmung, die sich selbst als solche erkennt, vorhanden -  Spinat erscheint dann wie eine Bedrohung, seine „widerlichen“ Eigenschaften werden als immanente, universelle Wahrheit erlebt. Eine persönliche Abneigung gegen Spinat zu haben ist etwa anderes: Hier werden die eigenen Vorlieben und Überzeugungen als solche erkannt. Darin implizit enthalten ist die Möglichkeit, dass andere Menschen in Bezug auf Spinat anders empfinden.

Noch einmal zusammengefasst lautet Fonagys (1998, S. 155) Grundhypothese also so: Die Fähigkeit der Eltern, die intentionalen, motivationalen und affektiven inneren Zustände ihres Kindes zu erkennen und angemessen zu beantworten führt zur Entwicklung einer sicheren Bindung, die wiederum mit einer „mentalisierenden“ Haltung einhergeht. Die Internalisierung, die den Kern des kindlichen Selbst bildet, könnte man so beschreiben: Das Kind nimmt wahr, dass es von der Mutter als intentionales Wesen wahrgenommen wird. Der Säugling „findet“ sich also in den Reaktionen seiner primären Bezugspersonen. Findet das Kind seinen inneren Zustand von der Mutter nicht adäquat spiegelnd und bewältigend beantwortet, dann internalisiert es vermutlich stattdessen ein verzerrtes oder mangelhaftes Bild bzw. den von ihm wahrgenommene Zustand der Mutter (Fonagy 1998, S. 157; Fonagy und Target 1998, S. 95; vgl. auch Jacobson 1964, Winnicott 1967).

Zumindest im Falle ausgeprägter elterlicher Insensitivität wird in die entstehende Selbstrepräsentanz etwas Fremdes, eine Repräsentanz des defizitären oder bedrohlichen Anderen introjiziert. Dadurch entsteht der Kern einer potentiell verfolgenden, quälenden Repräsentanz, die paradoxerweise Teil des Selbst ist, aber nicht die Funktionen des Containing, der Reflektion und der Mentalisierung beinhaltet. Sie fühlt sich stattdessen fremd, unassimiliert, schädigend und verletzend an. Coates (1998, S. 124) spricht von fremden, unmetabolisierten Introjekten. Es entsteht keine autonome, sondern eine brüchige Identität aus inneren Zuständen (states of mind), die emotionale und kognitive Prozesse nicht adäquat und flexibel erfassen. Die brüchige Identität beruht auf einer archaischen Repräsentanz des mangelhaft-bedrohlichen Fremden und nicht auf einem intentionalen und fühlendem Selbst, das vom Anderen – in der Regel der Mutter -  gesehen wurde (Fonagy 1998, S. 158).

Fonagy ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es ein erhebliches „Erholungspotential“ bei Kindern gibt, wenn sie eine Bindungsbeziehung zu einer anderen Person entwickeln können, die sich empathisch und gut abgestimmt verhält, so dass eine normale Reflektionsfunktion entstehen kann. Ist dies nicht der Fall und stehen im Extremfall feindselige, misshandelnde oder völlig leere und defizitäre Beziehungen im Vordergrund, kommt es möglicherweise zu einer besonders ungünstigen, defensiven Entwicklung. Das Kind wendet sich dann möglicherweise ganz von der Beschäftigung mit inneren Zuständen ab. Dies betrifft vor allem Misshandlungen: Das, was im Inneren der Eltern vorgeht, kann nicht vorgestellt werden – es wäre zu entsetzlich, sich damit auseinander zu setzen. Um sich zu schützen werden deshalb mentale Funktionen abgeschottet, die für das Beschreiben und Verstehen von Gefühlen und inneren Prozessen erforderlich sind. Dies gilt sowohl für innere Zustände bei sich selbst als auch bei anderen Menschen. Es kann sich keine stabile, identitätsstiftende Selbstrepräsentanz bilden, die äußere und innere Erfahrungen ordnet und mit „Bedeutung“ verbindet. Die Selbstrepräsentanz enthält stattdessen Anteile, die vom nicht-reflektierenden und bedrohlichen Anderen stammen. Dieses bedrohliche „Fremd-Eigene“ wird einerseits als Teil des Selbst erlebt, andererseits aber auch als nicht zum Selbst gehörend. Fonagy (1998, S. 161) meint, dass daraus eine pathologische Entwicklung hin zu einer Persönlichkeitsstörung resultieren kann, bei der es zu einem raschen Wechsel dieser unterschiedlichen Repräsentanzen kommt, vor allem dann, wenn kein externes Objekt zur Externalisierung, d. h. zur projektiven Nach-Außen-Verlagerung der bedrohlichen fremd-eigenen Selbstanteile zur Verfügung steht. Nicht nur die Außen-, sonden auch die Innenwelt ist dann zum „Feindesland“ geworden. Veränderung und Hilfe sind nach Fonagy dann möglich, wenn es gelingt, durch die Entwicklung mentalisierender Fähigkeiten das Verständnis für eigene und fremdseelische Prozesse zu erweitern, individualpsychologisch gedacht also dann, wenn starre unbewusste Meinungen und Fiktionen mit ihren einschränkenden Leitlinien differenziert und befreiend erweitert werden können.

 

 

 

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Dr. Hans-Jürgen Lang

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